abnehmen waehrend der Schwangerschaft © Stefan Redel - Fotolia.com
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Pregorexie: „Abnehmen“ während der Schwangerschaft

„Hungern während der Schwangerschaft: Gefährlicher neuer Trend“ hieß eine Titelgeschichte in der Frauenzeitschrift „Grazia“ (Nummer 28). In der Reportage schildert eine Frau Ende Zwanzig, wie sie aus Angst vor einer unförmigen Figur während ihrer Schwangerschaft keinesfalls zunehmen wollte.

Ihren Ernährungsplan hatte sie auf ein Minimum herunter gefahren. Das erste Kind kam vorzeitig und untergewichtig zur Welt — eine erstaunliche Tatsache, wenn man die abgedruckten Fotos sieht, auf denen ihr Bach im achten Monat nur eine kleine Wölbung zeigt. Dass das Kind die Schwangerschaft überlebte, ist ein kleines Wunder. Denn das geringe Gewicht der Schwangeren birgt ein sehr hohes Risiko: Es kann häufig zu Fehlgeburten kommen oder zu Fehlbildungen bei den Neugeborenen.

Oftmals sterben die Kinder sogar noch in ihren ersten Jahren an den Spätfolgen der Unterernährung, der sie während der Schwangerschaft ausgesetzt waren. Wenn das „Abnehmen nach der Schwangerschaft“ schon in den Monaten davor stattfindet, hat das oft eine Ursache: Magersucht. Der Fachausdruck dafür ist Pregorexie.

Das Kind lebt mit den Folgen

Pregorexie setzt sich aus dem englischen Wort für Schwangerschaft, pregnancy, und dem Wort anorexia nervosa zusammen. Die Anorexia Nervosa, also Magersucht, sollte hierbei jedoch nicht mit der „gewöhnlichen“ Anorexie verwechselt werden — der Zusatz „nervosa“ deutet bereits darauf hin, dass die Magersucht psychischen Ursprungs ist und deshalb als Essstörung klassifiziert wird.

„Frauenärzte im Netz“ informiert schon lange über die Folgen einer falschen Ernährung:

  • Eisenmangel: geht oft mit einer Anämie einher
  • Mangel an Vitamin B: Fehlbildungen im Kindesalter
  • Zinkmangel: „Schwangerschaftsvergiftung“

Im englischsprachigen Raum, aus dem der Terminus stammt, ist das Phänomen länger bekannt und bereits in den Fokus der Medien gerückt, wie ein Clip des amerikanischen TV-Senders FOX zeigt :

Erkrankte tauschen sich im Netz aus

Auch im Internet finden sich oftmals Erfahrungsberichte von Frauen, denen es leichter fällt, sich anonym zu ihrer Anorexie in der Schwangerschaft zu bekennen, andere Leidensgenossinnen aufzuklären und Erfahrungen auszutauschen. Die 32-jährige Janina, beispielsweise, berichte auf dem Blog „liliput.lounge“ über Schwangerschaftswochen voller zermürbender Gedanken und die Angst, die Kontrolle über ihren Körper zu verlieren.

Der Blogeintrag weist auch auf einen wichtigen Punkt der Magersucht hin: Nicht nur die Mangelernährung ist ein Hinweis auf Pregorexie. Auch ein Zuviel an körperlicher Betätigung ist ein Indiz. Wenn der Sport nur dazu dient, um die Gewichtzunahme zu vermeiden, muss ganz klar die Notbremse gezogen werden. Nicht nur Herz- und Kreislaufprobleme, die als Folge sportlicher Belastung während der Schwangerschaft auftreten können, sind für Mutter und Kind gefährlich. Auch so harmlos wirkende Begleitumstände wie Muskelkater müssen unter Beobachtung stehen.

Oftmals kann nämlich nicht genau festgestellt werden, ob Schmerzen, die in andere Körperregionen ausstrahlen, beispielsweise vom Oberschenkel aus, vom Muskelkater kommen oder das Kind betreffen. Viele Schwangere gehen nicht zum Arzt, weil sie „nur“ von einem Muskelkater ausgehen. Das Gesundheitsportal „NetDoktor“ weist darauf hin, dass Muskelkater bis zu zehn Tage braucht, um abzuklingen. Das ist eine lange Zeit.

Deshalb sollte in jedem Fall sollte ein Arzt konsultiert werden, denn hinter dem Kater stecke häufig mehr als kleine Risse im Muskel. An Pregorexie leidende Frauen sind also durch die falsche Ernährungsweise und oftmals auch durch den exzessiven Sport doppelt gefährdet.

Falls kein Therapie im Vorfeld stattgefunden hat, sollte spätestens während der Schwangerschaft eine Begleittherapie begonnen werden. Denn die Beratung und Betreuung durch einen Spezialisten ist insofern wichtig, als schwerwiegende Konsequenzen der Pregorexie (sowohl für die Schwangere als auch für das Kind) schneller erkannt und eventuell behandelt werden können. Zögern ist in einer solchen Situation die falsche Strategie.